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WALKER. Renzo Ferrari
Ein Film von Villi Hermann (2004)
Imagofilm Lugano, 33 Minuten, Farbe, Stereo, Format 16:9
Italienisch, Engl-UT
Der Maler Renzo Ferrari ist ein Grenzgänger, sowohl im
geografischen als auch im malerischen Sinne. Harald Szeemann
schrieb anlässlich einer grossen Ausstellung auf dem Monte
Verità: "Renzo Ferrari, 1939 in Cadro geboren, an der
Accademia di Brera ausgebildet, gehört zu einer Generation
von Schweizer Künstlern, die in den späten fünfziger und Anfang
der sechziger Jahre durch die Kunst des Informellen, durch
die lyrische Abstraktion mit ihren linearen und farbigen Aequivalenzen
zu Emotionen, aber auch durch Alberto Giacomettis Obsession
der Schöpfung eines möglichen, existentiellen Menschenbildes
geprägt wurde. Nachhaltig, wie die hier ausgestellten Zeichnungen,
Acquarelle, Guachen und Radierungen zeigen. (…)
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Es gelingt ihm, behutsam Türen zu innerem Erleben
zu öffnen und die Klippe des blossen Raffinements zu unterwandern."
Ich wollte keinen "biografischen Künstlerfilm" über Renzo
Ferrari drehen, mich interessieren vor allem die letzten Produktionsjahre
2000-2003, wo neue Elemente auftauchen, die Immigration aus
Afrika, stark sichtbar in der Lombardei, die Grossstadt Mailand
und eine ambivalente Figur, Gaio, weder Mann noch Frau. Ich
kenne Renzo Ferrari seit vielen Jahren, und habe seine malerischen
Arbeiten verfolgt, doch so starke Einflüsse der Jetzt-Zeit
sind eine Ueberraschung für mich. Renzo Ferrari ist ein Einzelgänger,
nimmt an keinen Vernissagen und sonstigen kulturellen Anlässen
teil, ist aber in allen wichtigen Galerien und Museen im Tessin
und in Norditalien vertreten. Wichtig für ihn sind seine Umgebungen
von Cadro (in der Nähe von Lugano), wo er aufwuchs, sein Vater
war Dorfmetzger. Dort malt, druckt und aqualleriert er. Aber
ebenso intensiv lebt er in Mailand.
Er skizziert dauernd, schreibt in kleine Taschenbücher Notizen,
fast walserhaft klein, vermutlich nur für ihn lesbar und entzifferbar.
Und vor allem geht er immer hin und her, im Atelier, in den
Wäldern oberhalb von Cadro und vor allem in der Grossstadt
Mailand. Nachts, von Stadtteil zu Stadtteil. Immer in Bewegung,
observiert und skizzert er. Er fährt auch kein Auto, benutzt
nur öffentliche Verkehrsmittel, Tram, Metro, Bus, Taxi und
Zug. Gerne lässt er sich >herumchauffieren< von Bekannten.
Seine neuesten Bildproduktionen haben auch öfters den Titel
WALKER, gefolgt von einem poetisch Nachsatz. Ein Aufenthalt
vor Jahren in New York hat ihn stark beeindruckt. Diese NY-Erinnerungsbilder
tauchen immer wieder auf in kleinen "Fenster" auf seinen Malereien.
Ein filmscher Besuch in New York drängte sich auf.
Ich wollte eine Reise in seine Bilder machen und seine fensterhaft
aufgebauten Malereien besuchen, Türen öffnen wie "Files" im
Computer und dank der Videotechnik , der "Layers und Splitscreens",
neue Möglichkeiten ausschöpfen.
Die Musik ist ebenso eine Mischtechnik, mit afrikanischen
Elementen und harten urbanen Rythmen, durchsetzt mit Geräuschen
des täglichen Lebens. Ich habe wieder, wie bei den vorherigen
Filmen, mit Musikern für die Tonspur zusammenarbeiten. Christian
Gilardi und Zeno Gabaglio, vom Atelier Altrisuoni
in Lugano, haben die Tonspur gestaltet.
Harald Szeemann hat sicher am besten die Malerei von Renzo
Ferrari beschrieben: "Es sind Zwischenfiguren, die uns anschauen,
und die sich ihren Um- und Lebensraum selber schaffen. Es
ist die Kunst des Ueberführens innerer Spannungen in Formen,
deren Dasein sich mehr der zeichnerischen Farbintuition als
dem Formwillen verdankt. Was auf den ersten Blick Angst und
Expression vermittelt, wird beim genaueren Hinschauen Feld-erfahrung
in formaler und farbiger Durchdringung."
Mein Film will eine Welt entdecken die wir täglich erleben,
aber nicht immer sehen.
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