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Schweizer Fernsehen SF1, Sternstunde Kunst, Sonntag, 22. April 2007

Pédra. Ein Reporter ohne Grenzen

Das kurze Leben von Jean-Pierre Pedrazzini, Fotoreporter bei Paris Match
Ein Film von Villi Hermann, Imagofilm Lugano/TSI/TSR
52’ / Farbe und s/w / Stereo / 16:9 / 2006

Es ist das viel zu kurze, aber intensive Leben eines engagierten Journalisten: Der Fotograf Jean-Pierre Pedrazzini, wird 1927 in Paris als Sohn von Tessiner Emigranten geboren. Als nicht einmal 18jähriger beginnt er als Fotograf für das Magazin Paris Match zu arbeiten. 1956 erliegt er, erst 29-jährig, den schweren Verletzungen, die er sich beim ungarischen Volksaufstand in Budapest zugezogen hat.
Der bekannte Filmer Villi Hermann nimmt die Lebensspur des Fotoreporters auf. Pédras Leben verläuft entlang des politischen Weltgeschehens der `50er Jahre: Er fotografiert während den antikolonialen Revolten in Marokko, ist Zeuge des tragischen Unfalls am Autorennen von Le Mans 1955.
Er dokumentiert immer wieder die politischen Treffen vor und hinter dem eisernen Vorhang, besucht als einer der ersten die geheime amerikanische Militärbasis in Thule, Alaska, reist mit seiner Frau Annie Falk und dem Schriftsteller Dominique Lapierre in die Sowjetunion.
An den engagierten Kollegen und Konkurrenten erinnern sich unter anderen die Fotografen Russ Melcher, Benno Graziani, Willy Rizzo, Erich Lessing - und Mario De Biasi, der 1956 auf dem Platz der Republik in Budapest zugegen war, als Jean-Pierre Pedrazzini Schüssen zum Opfer fiel.
Der Film von Villi Hermann rückt nicht nur die dramatischen Fotos von Budapest ins Zentrum, sondern beleuchtet das Gesamtwerk des Tessiner Fotografen.
Musik von Christian Gilardi, Zeno Gabaglio und Khaled Arman. Kamera: Felix von Muralt, Alberto Meroni, Pietro Zürcher, Micha Hädener.

Interview mit Erich Lessing (Magnum Fotograf), Rigi 18.07.2006

...beim ersten Gipfeltreffen haben wir zusammen gearbeitet, er für Paris Match und ich für Magnum und für LIFE Magazin. Die Bilder die sie hier sehen, sind ja nur entstanden, weil meine Frau damals Leiterin der Fotoabteilung der Welt-Gesundheitsorganisation war, und im Palais des Nations gearbeitet hat. Sie hat mir gesagt, es werden vier Sessel aufgestellt, und schaut ob ihr da vorher etwas machen könnt.
Und wir sind in den Hof hineingekommen, mit allen anderen Fotografen, aber Jean-Pierre, und noch zwei andere Kollegen und ich standen schon in der ersten Reihe. Als wir die leeren Sessel gesehen haben, haben wir uns gesagt, so, da setzen wir uns ganz schnell hin.
Und da sehen sie Jean-Pierre Pedrazzini rechts aussen, und mich links aussen, und zwei Schweizer Kollegen in der Mitte. Dann sind wir natürlich weggejagt worden, auf unsere Plätze, und dann waren die Sessel eine zeitlang leer, und dann kamen die vier Grossen da an: Eisenhower, Bulganin, Eden und Faure. Sie haben sich niedergesetzt, dann haben wir das berühmte Bild "das erste Mal die grossen Vier gemacht". Da gibt es ein sehr schönes Bild wie sie winken, denn meine Frau, die genau über ihnen ihr Büro hatte, hat ihnen zugewinkt, und dann hatten die Vier eben zurück gewinkt.
Das war natürlich für die Zeit, eine ungeheuer wichtige Reportage, weil man gedacht hat, das Ende des Kalten Krieges ist vielleicht doch nahe, aber man hat sich leider geirrt, es hat noch dreissig Jahre, Budapest, Prag und die Mauer von Berlin, gedauert, bis der Spuk vorbei war.


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