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:: biografie ::
Biographie von Jean-Pierre Pedrazzini (1927-1956)
von Gerhard Lob, swissinfo Locarno
Jean-Pierre Pedrazzini, ein junger französisch-schweizerischer Fotograf, wurde Ende Oktober
1956 während des Aufstands in Budapest angeschossen. Er erlag Tage darauf seinen
schweren Verletzungen.
Seine Bilder der ungarischen Revolution sorgten international für Aufsehen. Bundespräsident Moritz
Leuenberger hat am Montag in der ungarischen Hauptstadt eine Büste Pedrazzinis enthüllt.
Gerade mal 29 Jahre alt war Jean-Pierre Pedrazzini, als er am 30.Oktober 1956 von 14 Kugeln an
Brust und Beinen getroffen wurde. Über die genauen Umstände der Schüsse in Budapest kursieren bis
heute unterschiedliche Versionen. Wahrscheinlich stammten sie von sowjetischen Soldaten.
Sicher ist, dass Pedrazzini in seinem letzten, tragischen Einsatz am Platz der Republik mit seinem
Fotoapparat den Angriff der Aufständigen gegen den Sitz der Kommunistischen Partei verfolgte. Nach
den Schüssen wurde Pedrazzini zwei Mal in Budapest notoperiert und dann nach Frankreich
ausgeflogen.
In einer Klinik in Neuilly verstarb er am 7. November. Zwei Tage später folgte die Trauerfeier in der
Kirche Sain-Philippe-du-Roule unter grosser Anteilnahme der Bevölkerung. Denn trotz seines jungen
Alters hatte Pedrazzini als Fotoreporter des auflagenstarken Magazins "Paris Match" bereits
Berühmtheit erlangt.
Blitzkarriere bei Paris Match
Mit nur 21 Jahren war der Sohn von Tessiner Emigranten bei diesem angesehenen Blatt untergekommen. Schon bald fotografierte er Stars wie
Charlie Chaplin, Edith Piaf, Brigitte Bardot, Marlene Dietrich oder Grace Kelly.
Pedrazzini machte etliche Fotoreportagen aus Marokko, berichtete über eine amerikanische Militärstation am Nordpol oder Weihnachtsfeiern in
Bethlehem.
Aufsehen erregte vor allem eine Fotoreportage, die er - nur kurz vor seinem Einsatz in Ungarn - zusammen mit dem Journalisten Dominique Lapierre
über die Sowjetunion ausgeführt hatte.
Gemeinsam mit ihren Ehefrauen waren die beiden jungen Reporter zweieinhalb Monate durch die UdSSR gefahren.
13'000 Kilometer mit dem eigenen Auto - eine für damalige Verhältnisse sensationelle Unternehmung. Die Reiseroute
war selbstverständlich von den sowjetischen Behörden festgelegt worden. Von der Reise existiert auch ein Film.
Nach dem Tod an den Ursprung
Wenige Monate nach seinem Tod wurde Pedrazzini in Locarno in der Familienkapelle beigesetzt, obwohl er nie am Lago
Maggiore gelebt hatte. Es ist die grösste Kapelle auf dem Friedhof Locarnos.
Ein Porträtfoto des jungen Fotografen sowie Dankestafeln von ungarischen Vereinigungen finden sich heute dort. Seine
eindrücklichen Bilder vom Aufstand in Ungarn gelten bis heute als Vermächtnis der niedergeschlagenen Revolution.
Pedrazzini gilt als Held.
Die sterblichen Überreste Pedrazzinis kehrten sozusagen an die Ursprünge der Familie zurück. Sein Grossvater,
Giovanni Pedrazzini (1852-1922), hatte als Auswanderer mit Gold- und Silberminen in Mexiko das grosse Geld gemacht.
Nach seiner Rückkehr 1900 gründete er die Elektrizitätsgesellschaft Sopracenerina und war Stadtpräsident von Locarno.
Sein Enkelkind Jean-Pierre wurde 1927 in Paris geboren, als drittes Kind der Eheleute Giugliemo Pedrazzini und der
Monegassin Francine Crovetto, die sich in der französischen Hauptstadt niedergelassen hatten.
Während des Kriegs in der Schweiz
Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verliess die Familie Frankreich. Neuenburg, Davos und Genf lauteten die
Aufenthaltsorte, bevor "Pédra" - so sein Spitzname - nach dem Krieg wieder nach Paris zurückkehrte und seine
Blitzkarriere als Fotoreporter begann.
In Gedenken an Pedrazzini hat Bundespräsident Moritz Leuenberger am Montag - aus Anlass der
50-Jahr-Feiern des ungarischen Aufstands - in Budapest eine Büste enthüllt. Die Initiative dafür ergriff die
Jugendorganisation Szent László in Zusammenarbeit mit den Botschaften der Schweiz und Frankreichs in
Ungarn.
Am Ort, wo Pedrazzini vor genau 50 Jahren in Budapest niedergestreckt wurde, brachte man 1990 bereits eine
Gedenktafel an. 2001 waren seine Fotografien im französischen Kulturzentrum von Budapest zu sehen. Im
Herbst 2004 vermachte die ungarische Regierung seinen Nachfahren eine "Ehrenmedaille".
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