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:: Presse ::
- Zensur
im Schweizer Fernsehen?
- Luzerner Neueste Nachrichten,
25. September 1974
Mostra des Jungen Films in Pesaro
Bruno Jäggi
[...] Eine Modellwelt liegt ebenfalls dem international
sehr erfolgreichen Film von Thomas Koerfer, “Der Tod
des Flohzirkusdirektors”, zugrunde, und auch der Tessiner
Villi Hermann denkt in “Cerchiamo per subito operai,
offriamo...” Einzelschicksal und kollektive Erfahrung
zusammen: anhand der italienischen Grenzgängern im
Tessin und eines einzelnen Familien- und Arbeiterschicksals,
das, unter anderem, zeigt, wie Lebensverachtung und Profitgier
der Unternehmer den Menschen nicht nur zum missbrauchten
Arbeitssklaven erniedrigen, sondern selbst physisch, und
erst noch praktisch straflos, vernichten. Hermann geht nicht
mit dem Ideologiehammer auf den Zuschauer los; er ist auch
nie didaktisch. Er lässt sich Zeit, entwickelt seine
Thematik ruhig und verarbeitet die verschiedenen Ebenen
ohne penetrante Grundsatzerklärungen, dafür mit
eindrücklicher Transparenz und optischer Sensibilität.
Sein Film zählt zu jenen wenigen Dokumentarbeiträgen,
die den anvisierten Zuschauer auch wirklich erreichen und
ihn den Zusammenhang mit seiner eigenen Umwelt und Alltäglichkeit
herstellen lassen. Auf den in Locarno sehr ungünstig
programmierten und ins „Ghetto“ vertriebenen
Film soll später zurückgekommen werden, etwa anhand
des Festivals von Mannheim oder Nyon; ohne jeden Zweifel
wird auch das Schweizer Fernsehen nicht darum herumkommen,
den vielbeachteten, in Pesaro sehr gut aufgenommenen Film
auszustrahlen. Wenn es sich schon, im Gegensatz zu aufgeschlossenen
TV-Stationen, fortgesetzt um Festivals wie Pesaro (oder
Locarno) foutiert.
© Bruno Jäggi, LNN Luzern
- ZOOM Filmberater Nr. 22, 20. November
1974
Festival von Nyon 1974
Theo Krummenacher
[...] Das Schweizer Fernsehen verleiht ebenfalls einen Preis
(Fr. 3000.--). Villi Hermann erhielt ihn für seinen
Grenzgängerfilm „Cerchiamo per subito operai,
offriamo...“. Mehr als 30‘000 Italiener kommen
allein im Tessin täglich in die Schweiz, um in den
nahe der Grenze erstellten Fabriken zu arbeiten und am Abend
spät wieder nach Italien in ihre Familien zurückzukehren.
Die Tragik, die in diesem Pendlerleben verborgen ist, wird
am Beispiel einer bestimmten Familie geschildert. Der Film
von Hermann weist auf eine beträchtliche Gruppe von
Menschen hin, die in der Diskussion um die Gastarbeiter
völlig übersehen werden, obwohl sie von allen
ausländischen Arbeitskräften am wenigsten Rechte
besitzen.
© Theo Krummenacher, ZOOM
- National Zeitung, Basel, 17.10.1975
Werner Jehle
Arbeitskräfte gesucht, wir bieten...
Die Härte, mit der da Villi Hermann ein unrühmliches
Kapital anfasst, ist allerdings verzeihlich. Es ist die
Rede vom Grenzgängerproblem an der südlichen Schweizer
Grenze, des Problems ausländischer Arbeiter, die in
der Schweiz Ihr Brot verdienen, aber hier nicht leben können,
da sie keine Aufenthaltsbewilligung erhalten. Der Pendlerverkehr
an der Grenze von Ponte Tresa ist unmenschlich, aber er
nimmt zu. Die Pendler sind Emigranten aus dem Süden
Italiens, die auch unter erschwerten Bedingungen gerne im
Tessin rackern. Deutschschweizer Firmen haben den billigen
Arbeitsmarkt längst entdeckt und verlagern mit Vorliebe
Teile ihrer Produktion in den südlichen Kanton
- Tages-Anzeiger, Zürich, 28.4.1975
Beatrice Leuthold
Grenzgänger an der Grenze der Unmenschlichkeit
[…] Wer nicht wie Villi Hermann in der Grenzregion
beheimatet ist, wird kaum je mit den Problemen der frontalieri
konfrontiert. „Cerchiamo…“ ist deshalb
ein wichtiges und nötiges Dokument. Vielfach wird angenommen,
die Grenzgänger seien mit der einheimischen Bevölkerung
der italienischen Grenzdörfer identisch.
In Wahrheit handelt es sich mehrheitlich um Doppelemigranten:
Sizilianer, Türken, Jugoslawen, die ihre Familien mitnehmen
wollen, in der Schweiz jedoch keine Aufenthaltsbewilligung
erhalten haben. Sie stellen ein billiges, leicht erneuerbares
Arbeitspotential dar für viele Firmen, die ihre wenig
rationalisierten Firmen in das Südtessin verlegt haben.
Innerhalb der Arbeiterschaft stehen die Grenzgänger
auf der untersten Stufe der Benachteiligten, haben sie doch
schlechthin keine Rechte, keine Infrastruktur am Wohnort,
schlechte Bedingen am Arbeitsplatz. Zwei Länder wollen
sie besteuern. Die spärliche Freizeit wird aufgefressen
durch den langen Arbeitsweg. Die meisten „frontalieri“
brechen um 5 Uhr morgens auf, kehren um 8 Uhr abends heim.
Kollektiv- mit Einzelschicksal verknüpft.
Mit Erschütterung nimmt man Kenntnis von den wuchernden
Siedlungen entlang der Schweizer Grenze, die mehr mit Slums
gemeinsam haben denn mit Schlafstädten, vom traumatisierenden
Pendelverkehr zu den Stosszeiten. Die eindrücklichsten
Bilder in Hermanns Film sind denn auch die Strassenszenen,
die Zeugnisse unerträglicher Fahrten in überfüllten
Autos und Bussen, das organisierte Einsammeln der Arbeiter
im Morgengrauen.
Hermann versucht in seinem Film, Kollektiv- mit Einzelschicksal
zu verknüpfen. Er konfrontiert die allgemeinen Aussagen
zahlreicher Arbeiter mit den Schilderungen einer Familie,
die den Vater durch einen Arbeitsunfall verloren hat. Die
offizielle Seite, Geschäftsführer, Zollbeamte
und Gewerkschaftssekretäre, spricht direkt zum Zuschauer,
wie wir es von Stellungnahmen im Fernsehen gewohnt sind.
Ist es Hermann auch nicht immer gelungen, die verschiedenen
Ebenen nahtlos ineinander überzuführen, zeugt
doch sein Film von einer Ehrlichkeit und Beharrlichkeit,
den Problemen auf den Grund zu gehen, die formale Mängel
unwichtig erscheinen lassen. Angesichts des Ausmasses an
Ungerechtigkeiten, die ein menschenwürdiges Leben verunmöglichen,
muss dieser Film Partei ergreifen. Er tut es ohne Pathos,
jedoch mit Nachdruck. Gerade im Zeichen der aufziehenden
Krise hat er seit seiner Fertigstellung an Aktualität
nichts eingebüsst, Die temporären Immigranten,
ein „Sicherheitsventil“ für die Industrie,
verlieren als erste ihre Arbeitsplätze. Man horcht
auf, wenn ein Arbeiter im Film sich dazu Gedanken macht,
dass weder die Schweiz noch Italien ihm zu Krisenzeiten
in irgendwelcher Form Arbeitslosenunterstützung gewähren
wird.
Schwierigkeiten bei der Herstellung.
Villi Hermann musste seinen Film mit den bescheidensten
Mittel ohne offizielle Unterstützung herstellen. Das
bedeutet unter anderem Gratisarbeit aller Beteiligten, Filmen
über weite Strecken mit einer veralteten Kamera, die
alle 20 Sekunden aufgezogen werden muss. Verzicht auf differenzierte
Darstellungstechniken. Das fertige Produkt lässt ahnen,
welcher persönliche Einsatz aller Beteiligten erforderlich
war, um diese Schwierigkeiten zu bewältigen.
Dass die Ausstrahlung von „Cerchiamo…“
vom Tessiner Fernsehen bis jetzt nicht zustande gekommen
ist, bedeutet nicht zuletzt für die „frontalieri“
eine grosse Enttäuschung, hofften sie doch, durch die
offiziellen Kanäle ihre Probleme ins Bewusstsein einer
breiteren Öffentlichkeit tragen zu können.
- Zoom Filmberater, Zürich,
Nr. 19, 1974
Mostra des Jungen Films in Pesaro
Bruno Jaeggi
[...] Eine Modellwelt liegt ebenfalls dem international
sehr erfolgreichen Film von Thomas Koerfer, „Der Tod
des Flohzirkusdirektors“ zugrunde, und auch der Tessiner
Villi Hermann denkt in „Cerchiamo per subito operai,
offriamo...“ Einzelschicksal und kollektive Erfahrung
zusammen; anhand der italienischen Grenzgänger im Tessin
und eines einzelnen Familien- und Arbeiterschicksals, das,
unter anderem, Zeit, wie Lebensverachtung und Profitgier
der Unternehmer den Menschen nicht nur zum billigen, missbrauchten
Arbeitssklaven erniedrigen, sondern selbst physisch –
und erst noch praktisch straflos – vernichten. Hermann
geht nicht mit dem Ideologiehammer auf den Zuschauer los;
er ist auch nie didaktisch. Er lässt sich Zeit, entwickelt
seine Thematik ruhig und verarbeitet die verschiedenen Ebenen
ohne penetrante Grundsatzerklärungen, dafür mit
eindrücklicher Transparenz und optischer Sensibilität.
Sein Film zählt zu jenen wenigen Dokumentarbeiträgen,
die den anvisierten Zuschauer auch wirklich erreichen und
ihn den Zusammenhang mit seiner eigenen Umwelt und Alltäglichkeit
herstellen lassen.
- Luzerner Neueste Nachrichten, 25.
September 1974
Mostra des Jungen Films in Pesaro
von Bruno Jäggi
[...] Eine Modellwelt liegt ebenfalls dem international
sehr erfolgreichen Film von Thomas Koerfer, “Der Tod
des Flohzirkusdirektors”, zugrunde, und auch der Tessiner
Villi Hermann denkt in “Cerchiamo per subito operai,
offriamo...” Einzelschicksal und kollektive Erfahrung
zusammen: anhand der italienischen Grenzgängern im
Tessin und eines einzelnen Familien- und Arbeiterschicksals,
das, unter anderem, zeigt, wie Lebensverachtung und Profitgier
der Unternehmer den Menschen nicht nur zum missbrauchten
Arbeitssklaven erniedrigen, sondern selbst physisch, und
erst noch praktisch straflos, vernichten. Hermann geht nicht
mit dem Ideologiehammer auf den Zuschauer los; er ist auch
nie didaktisch. Er lässt sich Zeit, entwickelt seine
Thematik ruhig und verarbeitet die verschiedenen Ebenen
ohne penetrante Grundsatzerklärungen, dafür mit
eindrücklicher Transparenz und optischer Sensibilität.
Sein Film zählt zu jenen wenigen Dokumentarbeiträgen,
die den anvisierten Zuschauer auch wirklich erreichen und
ihn den Zusammenhang mit seiner eigenen Umwelt und Alltäglichkeit
herstellen lassen. Auf den in Locarno sehr ungünstig
programmierten und ins „Ghetto“ vertriebenen
Film soll später zurückgekommen werden, etwa anhand
des Festivals von Mannheim oder Nyon; ohne jeden Zweifel
wird auch das Schweizer Fernsehen nicht darum herumkommen,
den vielbeachteten, in Pesaro sehr gut aufgenommenen Film
auszustrahlen. Wenn es sich schon, im Gegensatz zu aufgeschlossenen
TV-Stationen, fortgesetzt um Festivals wie Pesaro (oder
Locarno) foutiert.
- National-Zeitung, Basel, 6. Februar
1975
Solothurner Filmtage
von Paul Bader
Welt der Arbeit. Villi Hermanns Dokumentation „Cerchiamo
per subito operai, offriamo...“ ist bereits an den
Festivals von Locarno und Nyon gezeigt worden. Geschildert
werden die Lebens- und Arbeitsbedingungen der vorzugsweise
italienischen Grenzgänger, die im Tessin als billige
Arbeitskräfte von schweizerischen Betrieben beschäftigt
werden. Da sie keine Aufenthaltsbewilligung erhalten, müssen
sie die Schweiz jeden Abend verlassen. Der fast totale Verlust
der Freizeit infolge der Entfernungen zwischen Wohnort und
Arbeitsplatz ist eines der zahlreichen Probleme, die Hermann
sorgfältig aufzeigt.
Einer der Hauptpunkte ist die soziale Unsicherheit. Ein
Arbeiter sagt: „Wenn morgen in der Schweiz eine Krise
ausbricht, sitzen wir im Elend. Weder die Schweiz noch Italien
würden uns Arbeitslosenunterstützung zahlen. Zudem
würden weder schweizerische noch italienische Krankenkassen
an Arzt- und Spitalkosten zahlen, weder für uns noch
für Familienangehörige“. Dazu eine Reuter-Meldung
aus den letzten Tagen, wonach die Tessiner Schuhfabrik Savoy
SA, Stabio, - sie kommt im Film vor – wegen Absatzschwierigkeiten
ihren Personalbestand reduziert. „Es werden davon“
so Reuter, „rund 55 Grenzgänger betroffen.“
- Basler Nachrichten, Basel, 5. Februar
1975
von Bruno Jaeggi
[...] Doch damit wäre das Problem nicht richtig erkannt,
denn die früheren Formen des Engagements sind vorbei.
Stramme Militanz, steife Didaktik, simple Demagogie haben
ausgespielt. Das belegen die besten Dokumentarfilme der
diesjährigen Filmtage, unabhängig davon, ob sie
nun direkt kollektive Erfahrungen analysieren oder ob sie
sich einem sogenannten „Einzelfall“ zuwenden.
Das hat man in den bereits vorgestellten Filmen „Les
mineurs de la Presta“ und „Cerchiamo per subito
operai, offriamo ...“ (Nyon) erkannt. Und das wurde,
im weitern Verlauf, von bereits bekannten jungen Autoren
neu belegt.
- Tages-Anzeiger, Zürich, 7.
Februar 1975
Solothurner Filmtage Augenblicke
von Martin Schaub
[...] Gegen den Schluss von Villi Hermanns Enquête
„Cerchiamo per subito operai, offriamo...“ fährt
der Kamerawagen hinter einem Kleinbus her, auf schmalen
Strässchen. Es ist früher Morgen, diesig, kalt.
Nur undeutlich sieht man die Dinge. Der Zuschauer kommt
sich vor wie im Halbschlaf. Ab und zu stellt der Kleinbus
den rechten Blinker aus, hält an; Leute steigen zu.
Der Kamerawagen und der Bus werden von Kleinstwagen in weitem
Bogen überholt. Dann geht die Fahrt weiter... in die
Schweiz, zur Arbeit. Das ist die Anfahrt der Arbeitssklaven.
So wird das wohl erlebt.
- Vaterland, Luzern, 15. Februar
1975
Solothurner Filmtage
von Urs Jaeggi
[...] Die Aussage des betroffenen Menschen steht
auch im Vordergrund von „Cerchiamo per subito, operai...“
des Tessiner Villi Hermann, einem dynamischen und vitalen
Bericht über den Status der sogenannten Grenzgänger,
die bei uns irrtümlicherweise immer als bevorzugte
Gastarbeiter angesehen werden, weil sie abends zu ihren
Familien zurückkehren können. Welche Unannehmlichkeiten
aber gerade dieses Pendeln über den Schlagbaum mit
sich bringt, ist wesentlicher Teil dieses Dokuments. Der
Grenzgänger befindet sich vor allem in einer Krisensituation
in der Lage jenes, der sich zwischen zwei Stühlen gesetzt
hat. Weder der schweizerische, noch der italienische Staat
leisten ihm Hilfe, wenn er auf der Strasse steht. Dazu schafft
der Grenzgänger-Status in Italien neue, vielschichtige
Probleme, weil viele arbeitsuchende Süditaliener in
Grenznähe sich in einer Art Slums ansiedeln. Hermanns
Stilmittel ist der harte Report im Stil der Fernsehreportage.
[...]
- Oltener Tagblatt, 6. Februar 1975
Solothurner Filmtage 1975
(jva.) Wiederum brillante Dokumente. Einige sehr wesentliche
Dokumentarfilme sensibilisieren den Zuschauer (leider nur
den im „Seitenwagenkino“ oder eventuell zu später
Stunde am Fernsehen) für – zumeist soziale –
Probleme. Kein anderes Medium wie der Film ist in der Lage,
zeitlich und örtlich weit auseinanderliegende Fakten
eines Themas zu einer zusammenhängenden Aussage zusammenzufassen,
komplexe Ursachen - und Symptomelemente in ihren Wechselwirkungen
darzustellen. Auf ein brillant gelunges Werk dieser Sparte,
Remo Legnazzis „Buseto“ haben wir bereits hingewiesen.
Die (kleinen) Freuden und (grossen) Leiden einer anderen
Form der Emigration beleuchtet Villi Hermann in einem hervorragenden
Film, der nur gegen Schluss etwas zu lang geraten ist: Es
handelt sich um die italienisch-schweizerischen Grenzgänger,
die – weil sie nicht in unserem Land wohnen dürfen
– sich in der Nähe der Grenze ansiedeln, dort
von den Liegenschaftshändlern ausgebeutet werden, in
den Fabriken mit Fantasienamen im Tessin fast rechtlos sind
und auf dem Weg hin und her noch den nervenzersägenden
Verkehr erdulden müssen. [...]
- Aargauer Tagblatt, 8. Februar 1975
Solothurner Filmtage 1975
Hans M. Eichenlaub
Filme aus der Arbeitswelt. Gleich eine ganze Reihe
von Filmen befasst sich mit Problemen von Arbeitern in einer
Zeit, da der Produktionsfaktor Arbeit noch immer nicht den
ihm zukommenden Stellenwert hat. Der Tessiner Villi Hermann
weist in seinem mit einer Gruppe von Arbeitern und Kollegen
gedrehten Dokumentarfilm „Cerchiamo per subito operai,
offriamo...“ auf ein Problem hin, das in der Deutschschweiz
kaum bekannt ist. Eine grosse Zahl von italienischen Arbeitern
passiert täglich die Grenze, um in der Schweiz zu arbeiten.
Am Abend kehren sie zurück in ihre Quartiere jenseits
der Grenze, da sie über keine Aufenthaltsbewilligung
verfügen. Daraus entstehen weitreichende soziale Probleme,
die der Film, obwohl mit minimalen Mitteln gedreht, in ihrer
Komplexität darstellt. [...]
- Südschweiz, Locarno, 14. Oktober
1975
Arbeitskräfte gesucht, wir bieten...
Ein Film des Luganeser Cineasten Villi Hermann
[ch.] Der Cineast Villi Hermann aus Beride hat in Zusammenarbeit
mit einer Gruppe von Arbeitern, Freunden und Kollegen in
dreijährigen Vor- und Dreharbeiten in italienscher
Sprache einen Film unter dem Titel „Cerchiamo per
subito operai, offriamo...“ hergestellt, der Ende
Oktober in der deutschen Übersetzung „Arbeitskräfte
gesucht, wir bieten...“ im deutschen Fernsehen gesendet
werden wird. Für die Herstellung dieses Streifens erhielt
das Filmteam weder von Gewerkschaften, politischen Parteien,
kulturellen Departementen noch irgendwelchen anderen Organisationen
finanzielle Unterstützung.
- Zoom Filmberater, Zürich,
Nr. 4, 1975
Arbeitskräfte gesucht, wir bieten…
Urs Jaeggi
Der Grenzgänger gilt bei uns gewissermassen
als privilegierter Gastarbeiter. Er hat ein gutes, schweizerisches
Einkommen, geniesst aber den Vorzug, abends nach getaner
Arbeit zu seiner Familie in die Heimat zurückfahren
zu können. Wie unendlich vielschichtiger, differenzierter
der Status des Grenzgängers ist, vermittelt der Tessiner
Villi Hermann in seinem Film, einem erstaunlich vitalen,
mitunter provozierenden Dokument. Hermanns Mittel ist der
Report, dem journalistische Recherchen zugrunde liegen,
denen nun eine Illustration beigefügt wird: ein Fernsehfilm
also. Aber um gleich allen Missverständnissen vorzubeugen:
„Cerchiamo…“ hat nichts mit jenen billigen
und zweifelhaften Fernsehberichten zu tun, die der pardon
ein paar mal recht genüge getan wird. Bei Hermann hat
das Bild zentralen Stellenwert; Eigenständigkeit, direkte
Aussagekraft. Die Bildebene ist dominant.
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