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:: kurzfassung ::
Geschichte
Die Witwe Vittoria B. ist die Hauptfigur unseres Films. Am Beispiel
des Schicksals dieser Frau, Emigrantin aus Mittelitalien, werden
Weg und Leben vieler Emigranten erzählt. Sie ist Modell.
Die verschiedenen Probleme der Grenzgänger – eine oft
vergessene Minorität, die im italienischen Grenzgebiet wohnt
und in der Schweiz arbeitet – werden am Beispiel der Witwe
aufgedeckt. Ihre Geschichte gibt dem Zuschauer die Möglichkeit,
in den Film einzusteigen, ohne die spezifisch lokalen Hintergründe
oder wirtschaftlichen Zusammenhänge kennen zu müssen.
Recherchen und Dreharbeiten
Würde ich in Paris wohnen, hätte ich einen Film mit den
algerischen Arbeitern gemacht; in Köln wahrscheinlich mit den
Türken; in London mit den Pakistani. Da ich aber im so genannten
sonnigen Tessin wohne, war meine Wahl klar.
Bevor wir den Film begannen, teilten wir uns in zwei kleine Arbeitsgruppen.
Die eine recherchierte die soziokulturellen und wirtschaftlichen
Zusammenhänge, die andere nahm persönlichen Kontakt mit
den Grenzgängern und deren Organisationen auf. Die Vorarbeiten
dauerten lange. Grund? Keine finanzielle Hilfe, ich habe eine Sammlung
von Absagebriefen von der KPI bis zur Migros. Also blieb nur die
Selbsthilfe. Alle arbeiteten ohne Entgelt mit. Alle Mitarbeiter
bis zu den Technikern kamen nicht vom Film. Von der so genannten
Filmszene war nur ich dabei (Eine Anekdote: Die verschiedenen Tonleute
wussten nur, dass beim Tonbandgerät der Zeiger nichts ins rote
Feld hüpfen durfte.)
Alle Mitarbeiter und Grenzgänger wussten, was wir mit dem Film
auszudrücken versuchten. Die Grenzgänger wurden über
unsere finanzielle und politische Situation aufgeklärt. Zusammenarbeit
und Transparenz. Wir wollten keinen Film nach unseren Ideen drehen,
sondern ich stellte meine Kenntnisse als Filmschaffender einer Gruppe
von Leuten zur Verfügung, ohne ein manipuliertes Sprachrohr
zu werden und ohne meine künstlerische Freiheit der Sache opfern
zu müssen. Wir arbeiteten von 1971 bis 1974 an dem Film –
mit Unterbrechungen aus finanziellen, persönlichen, politischen
und filmischen Gründen.
Heute im Tessin
Unsere Filmanalyse der Situation im Tessin hat sich bestätigt.
Die Rezession traf ein. Die Arbeiter erzählten uns bereits
von Produktionseinschränkungen, von Maschinenumzügen,
von Verkäufen und Schliessungen, die nie an die Öffentlichkeit
kamen.
Die ersten Entlassungen trafen die Grenzgänger. Die einfachste
Lösung! Kein Staat, keine Gewerkschaft, keine Partei, keine
Organisation schritt tatkräftig ein. Es mussten keine dramatischen
Ausweisungen erfolgen. Keine Sozialleistungen waren zu zahlen. Man
entliess sie einfach. Basta.
Form
Der Geldmangel zwang uns, neue filmische Mittel zu suchen. So konnten
wir uns nicht einmal den Einsatz von normalen technischen Apparaten
leisten. Ich drehte fast alles mit einer alten Bolex mit Handkurbel.
Drehverhältnis eins zu zwei. Aus diesen Gründen erzählen
wir die Geschichte der Witwe nur in Fotos. Darum ebenfalls der Einsatz
von Videoaufnahmen, die später in den Film eingeschnitten wurden.
Die dauernde Unsicherheit, die finanzielle Not und Angst der Grenzgänger
und der Arbeitsgruppe sind im Film immer präsent. Ein „Partisanenfilm
im Land der Gnomen“, sagte mir ein Journalist. Vielleicht.
Villi Hermann, im Programmheft „Das
Fernsehspiel im ZDF“, Heft 10. September/Oktober/November
1975. Redaktion: Eckart Stein, Ursula Stein.
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